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I N T E R N A T I O N A L E S |
Havanna, 23. Mai 2012 |
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Journalist: ein immer
gefährlicherer Beruf
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Lateinamerika ist die
riskanteste Region der Welt
Lisanka González
Suárez
Die Generaldirektorin der UNESCO, Irina Bokowa,
äußerte sich alarmiert über die Welle von Morden an
Journalisten in Mexiko und bat dringend um eine
Untersuchung. Die innerhalb von einer Woche an drei
mexikanischen Journalisten im Bundesstaat Veracruz
verübten Verbrechen schienen das Fass zum Überlaufen
gebracht zu haben. Bokowa verurteilte das Geschehen
nicht nur, sondern bat die mexikanischen Behörden,
alles ihnen Mögliche zu tun, um die Verbrechen
aufzuklären und die Schuldigen vor die Justiz zu
bringen.
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In diesen schwierigen Zeiten
ist es
notwendig, dass die Regierungen
Maßnahmen zum Schutz der Berichterstatter
ergreifen. Dieser junge Mann wollte über
die Empörten in New York berichten,
als er von der Polizei angegriffen wurde |
Wie die UNESCO-Vertreterin mitteilte, war das
vergangene Jahr das kritischste des Jahrzehnts.
Zwischen 2010 und 2011 wurden 127 Journalisten
ermordet, 18 davon in Mexiko.
IM VISIER DER SCHARFSCHÜTZEN
Seit der Besetzung des Irak haben mehrere
internationale Institutionen auf das maßlose
Anwachsen der Zahl der getöteten Berichterstatter
hingewiesen. Sie überschritt die Zahl der Reporter,
die während der langen und blutigen Invasionen und
Auseinandersetzungen wie dem Vietnam-Krieg
umgekommenen waren, bei weitem.
Ab 2008-2009 kam es zu einer Entwicklung von
Umstände, die zu einem Anwachsen der Morde an
Vertretern dieser Berufsgruppe führte, auch wenn sie
über Angelegenheiten informierten, die nicht direkt
mit Konfliktsituationen zusammenhängen.
Öffentlich den Menschenhandel, den Drogen- oder
Waffenschmuggel anzuklagen, über die Proteste gegen
die Haushaltskürzungen oder die Erhöhung der
Studiengebühren zu berichten, über fehlende
Arbeitsplätze, Lohnsenkungen, Entlassungen, sowie
über die Empörten, die sich gegen die
Finanzabmachungen wehren, die nur wenige bereichern
und die Mehrheit ärmer machen, wird immer mehr zu
einer der gefährlichsten Tätigkeiten der Welt.
Aber man darf auch nicht die Augen vor dem großen
Kontrast verschließen, den es gegenwärtig gibt.
Während in verschiedenen Ländern dieses Teils der
Welt die Zahl der Journalisten steigt, die ihre
Arbeit im Visier der Scharfschützen verrichten,
werden sie in anderen zu Komplizen der großen
Medienmächte, indem sie Nachrichten manipulieren
oder verfälschen. Dies in der eindeutigen Absicht,
Eroberungskriege zu unterstützen, in Ländern, deren
einzige Straftat es ist, über reichliche
Naturrohstoffe zu verfügen, vor allem energetische,
oder sich an geopolitischen Schlüsselpositionen zu
befinden.
Laut spezialisierten Institutionen verzeichnet
Lateinamerika seit mehr als zwei Jahren die höchsten
Zahlen bei den Todesopfern, höhere als im Mittleren
Osten.
Oft werden Verschleppungen von Journalisten
gemeldet, die dann in Plastiksäcken aufgefunden
werden, offensichtlich gefoltert, bevor sie ermordet
wurden, weil sie das Thema der Drogen anklagten oder
untersuchten. Dieses empörende Drama spielt sich auf
unserem Kontinent ab.
Im März 2010 wurde dem Rat des Internationalen
Programms für die Entwicklung der Kommunikation (PIDC)
auf seiner 27. Versammlung ein Bericht über die
Jahre 2008-2009 vorgelegt. In dieser Zeit, wie auch
im Zeitraum 2006-2007 wurden 123 Journalisten
ermordet. Laut dem Bericht wurden mindestens 80% der
Tötungen durch persönlich auf die Opfer gerichtete
Angriffe erzielt. Die große Mehrheit der ermordeten
Journalisten waren keine internationalen
Kriegsberichterstatter, sondern lokale Reporter, die
über Ereignisse in ihren eigenen Ländern berichteten,
zum größten Teil in Friedenszeiten.
Obwohl 95 % der in Lateinamerika ermordeten
Journalisten Männer waren, gibt es Beweise dafür,
dass die Frauen „immer mehr Opfer von Bedrohungen
werden", insbesondere in Form von sexuellem
Missbrauch, und in den letzten Wochen wurden
offensichtlich drei von ihnen von Mafiakartellen
hingerichtet.
DIE TÖDLICHSTE REGION
Ein Bericht des Untersuchungsausschusses für
Attentate gegen Journalisten (CIAP) besagt, dass im
Jahr 2011 in Lateinamerika 40 Journalisten durch
Gewaltanwendung starben. Weltweit waren es 103 in
diesem Zeitraum.
Die Zahl der betroffenen Länder stieg dabei
ebenfalls. Fast alle Journalisten, die starben,
hatten über Korruption und andere illegalen
Aktivitäten berichtet.
Der Bericht verweist darauf, dass Lateinamerika
die gefährlichste Region für die journalistische
Tätigkeit ist, insbesondere Brasilien, Honduras und
Mexiko, und bestätigt die Tendenz der wachsenden
Gewaltanwendung gegen die Beschäftigten der
Kommunikationsmedien.
Deshalb wird die dringende Notwendigkeit
angesprochen, Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen,
ein Thema, das schon seit den 1970-ger Jahren zur
Debatte steht.
Der mexikanische Kommentator Salvador Camarena
sprach im September vergangenen Jahres davon, dass „der
Knebel des Terrors, den die Verbrecherkartelle der
Küstenregion Mexikos angelegt haben, erreicht hat,
die Journalisten, das Radio und das Fernsehen zum
Schweigen zu bringen, und auch bei den Websites und
den sozialen Netzen angelangt ist".
Aber es handelt sich nicht nur um Drogen und
Plünderungskriege, sondern auch um die Hindernisse,
die denjenigen in den Weg gelegt werden, die
berichten, untersuchen oder anklagen.
Am glimpflichsten kommen die weg, die nur eine
Tracht Prügel abbekommen oder denen ihr Material
beschlagnahmt wird, wenn sie von friedlichen
Protesten oder Märschen berichten. Dies geschah in
einigen Ländern Europas, in Chile und sogar in New
York, dem Mekka für „Pressefreiheit". Im Oktober
äußerte der Korrespondentenverband der Ausländischen
Presse in Chile der Regierung gegenüber seine „tiefgreifende
Sorge wegen der anhaltenden Angriffe auf die
Pressefreiheit seitens der Polizei in den letzten
Jahren". Einen Monat später wurden, laut einer
Meldung von Associated Press, „Journalisten, die von
dem Polizeieinsatz in einem Lager der Bewegung
Occupy Wall Street in New York berichteten, von
dem Ort ferngehalten und mehrere von ihnen wurden
verhaftet".
Einige Regierungen wollen nichts von Maßnahmen
zum Schutz der Journalisten wissen, so als ob das
Recht der Bürger, informiert zu werden, und die
Verantwortung dafür, sie zu informieren,
ausschließlich bei ihnen läge. Es ist dringend
notwendig, diese Gewaltwelle aufzuhalten, denn das
Jahr 2012 zeichnet sich als ein noch tödlicheres
Jahr für diese Berufsgruppe ab.
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