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ELFTE BIENNALE VON HAVANNA
Begegnung zwischen Künstlern und Publikum
Mireya Castañeda
Unter dem Motto Künstlerische Praktiken und
soziale Räume weitet vom 11. Mai bis 11. Juni
2012 die 11. Biennale von Havanna den Bereich der
Schöpfung auf die Straße, in Theater, auf Plätze,
über den ihr traditionsgemäß in Galerien oder Museen
gewidmeten Raum hinweg aus, um so die Teilnahme des
Zuschauers herauszufordern.
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Schiff der Toleranz der
Kabakovs in den
Gärten der Festung Castillo de la Fuerza (AIN)
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Die Biennale, deren erste Ausgabe 1984 stattfand,
bereitete zuerst der Forschung und Verbreitung des
Reichtums der zeitgenössischen Kunst Lateinamerikas
und der Karibik den Weg, dann der Asiens und Afrikas,
und nahm später, mit einer Öffnung des Konzepts,
auch Künstler Europas, der Vereinigten Staaten und
Kanadas auf.
An der jetzigen Ausgabe sind mit ihren
individuellen Werken oder Bestandteilen von zehn
kollektiven Projekten 178 eingeladene Künstler aus
45 Ländern beteiligt. Ein großes visuelles Fest, das
Liebhaber, Experten, Kritiker, Kuratoren und
Kunstsammler anzieht. Unter ihnen befinden sich, wie
der Präsident des Nationalrats für Plastische Kunst,
Rubén del Valle Lantarón, erläutert, 1.300 US-Amerikaner.
In einem kurzen Dialog im ALBA-Kulturhaus, einem
der Zentren der Biennale, bekräftigt del Valle die
ursprüngliche Idee, die ganze Stadt zu erfassen.
„Das hat mit der Zahl der Projekte zu tun, die uns
vorgeschlagen werden, und dem Bestreben, nicht ein
einziges Zentrum zu haben".
Er erinnerte daran, dass zur letzten Biennale
„Guillermo Gómez Peña eingeladen war, einer der
Großen der Performance der Welt, und er sagte, dass
eines der Dinge, die ihn am meisten beeindruckten,
der Umstand war, dass es ein Event der Öffnung und
Vielfalt ist".
„Bei dieser Ausgabe — führt er fort — werden die
sozialen Räume betont, und man sieht bereits, wie
die Leute auf der Straße den Projekten folgen.
Wahr ist, dass an den emblematischen Orten
Havannas, wie an seiner Uferstraße, dem Malecón, auf
der Promenade Prado, in den Räumlichkeiten der
Altstadt, des Stadtteils Vedado und auch in
entfernteren Stadtteilen wie San Agustín sowohl
Malereien, Skulpturen, Filme und Fotografien als
auch Performances unter freiem Himmel und
Installationen gezeigt werden..
Wie Jorge Fernández, der Direktor des Zentrums
Wifredo Lam, die Institution, die die Biennale
organisiert, auf einer Pressekonferenz angekündigt
hatte, „liegt der Schwerpunkt nicht in den
traditionellen Medien, sondern es wurde Nachdruck
darauf gelegt, den Zuschauer anzuziehen, die
Kultorte zu verlassen und auf die Straße zu gehen".
EINIGE GÄSTE
Alle Gäste aufzuzählen, ist unmöglich. Unbedingt
zu erwähnen ist die Anwesenheit von Figuren vom
Format des österreichischen Künstlers Hermann Nitsch,
dem nach der Vorführung seiner Aktion135 auf
dem Gelände der Kunsthochschule ISA und unter
Mitwirkung deren Studierenden der Ehrendoktortitel
verliehen wurde.
Eine andere Ikone der Performance, die serbische
Künstlerin Marina Abramovic, kam ebenfalls, um im
wiedereröffneten Theater Miramar den Film The
artist is present zu zeigen.
Auf der internationalen Liste ist auch das
russisch-US-amerikanische Binom Ilya und Emilia
Kabakov zu finden, die mit ihrem Schiff der
Toleranz große Erwartungen hervorriefen und sie
auch bestätigten. Es ist ein Werk, bei dem 500
Kinder auf den Segeln des Schiffes Botschaften des
Friedens und der Versöhnung vermitteln. Das Schiff
befindet sich in den Gärten der Festung Castillo de
la Real Fuerza.
Ebenso beeindruckt die Installation Die
stillen Reisenden des kolumbianischen Künstlers
Rafael Gómez. Viele von uns erinnern sich an den
Beitrag von Roberto Fabelo, Nationalpreisträger für
Bildende Kunst 2004, seine gigantischen Kakerlaken,
die Überlebenden, an der Wand des Museums für
Schöne Künste.
Jetzt lässt Gómez im Rahmen der Biennale über 600
Ameisen an der Wand des Theaters Fausto herauf
krabbeln, direkt am Paseo del Prado, und teilt diese
Erfahrung mit allen, die an diesem zentralen Ort
vorbeikommen.
Wie bereits gesagt, die Biennale ist viel mehr.
Es gibt, zum Beispiel, unter den kollektiven
Projekten die Ausstellung MAC/SAN im
Stadtteil San Agustín, bei der Künstler aus
Deutschland, Kanada, Kolumbien, Kuba, Frankreich,
der Schweiz und den Vereinigten Staaten
zusammenkommen.
Sie haben sich ein halb erbautes Gebäude auf
einem verlassenen Gelände inmitten von San Agustín
vorgenommen und ein Projekt für die Gemeinschaft
geschaffen, das MAC/SAN Building genannt wird.
Ohne Seitenwände und innere Unterteilungen werden
auf zwei Etagen Installationen, Skulpturen und
interaktive Werke gezeigt.
Eine ähnliche Kommunikation gibt es im Pabellón
Cuba, in der belebten 23. Straße, wo Kunstschaffende
aus Deutschland, Argentinien, Brasilien, Chile,
China, Spanien, Haiti, Panama, der Dominikanischen
Republik und Kuba weitere Werke vorstellen, die die
Teilnahme des Besuchers herausfordern.
Im Zentrum Wifredo Lam, dem Fokus der Biennale,
ist die Ausstellung Open score zu sehen, die
zum ersten Mal „die Kommunikation zwischen der
Technologie und der Kunst durch die Robotik" auf die
Biennale bringt, ein Vorschlag des anerkannten Jorge
Pardo, „eine Probe von dem, was ich in meiner
Werkstatt in Kalifornien mache, ein Roboter, der
Stücke kreiert, nach einem vorgefertigten Entwurf,
bis der Raum gefüllt ist".
Eine Neuigkeit dieser Biennale ist das Projekt
Hinter der Mauer, eine Reihe von Installationen
am Malecón, von der Festung La Punta bis zum Turm
von San Lázaro, die verschiedene Künstler
gestalteten, unter ihnen die Kubaner Arlés del Río,
Donis Dayán Llago, Alexandre Arrechea, Inti
Hernández, Esterio Segura, Marianela Orozco,
Alejandro González, Adonis Flores, Humberto Díaz,
Roberto Fabelo, Roberto Fabelo Hunt und Duvier del
Dago, der Puertoricaner Guillermo E. Rodríguez
Rivera, der Spanier José Ruiz und die kubastämmigen
US-Amerikaner Rafael Doménech, María Magdalena
Campos und Florencio Gelabert Soto.
Angesichts der Teilnahme von mehreren
kubastämmigen US-Amerikanern erklärt Rubén del Valle
Lantarón in einem Dialog im ALBA-Kulturhaus für
unsere Leser: „Es ist ein sehr natürlicher Austausch,
begründet auf dem Respekt der Diversität. Er gehört
zur Kulturpolitik der Revolution, die Einschluss und
Anschluss anstrebt. Jorge Pardo, zum Beispiel,
verließ Kuba sehr jung und María Magdalena Campos,
eine Künstlerin mit viel Resonanz auf der Insel in
den 1980-ger Jahren, ist heute Dozentin an einer US-amerikanischen
Universität. Beide stellen im Wifredo-Lam-Zentrum
aus."
Del Valle verweist darauf, dass La Cabaña,
Pabexpo und das Hotel Nacional unbedingt besucht
werden sollten. Insgesamt sei es „die größte
Ausstellung der zeitgenössischen kubanischen Kunst,
Kostprobe eines bedeutenden Teils des Besten, das
heute produziert wird", fügte er hinzu. In der
Kolonialfestung La Cabaña sind über 100 Künstler
vertreten, von ganz jungen bis zu den bewährtesten.
Für die Verkaufsausstellungen in Pabexpo und im
Hotel Nacional zeichnet der Kubanische Fonds für
Kulturgüter verantwortlich. In Pabexpo befindet sich
die Ausstellung HB, Werke von über 40
Künstlern, Absolventen der Kunsthochschule sowohl
der 1980-er als auch der jüngsten Jahrgänge.
Stellvertretende Namen sind Roberto Diago, Alexis
Leyva (Kcho), Moisés Finalé, René Francisco, Niels
Reyes, Esterio Segura, Carlos Garaicoa, Felipe
Dulzaides, Sandra Ramos, Fernando Rodríguez, Mabel
Poblet, Carlos Quintana, Cirenaica Moreira, Kadir
López und das Kollektiv Los Carpinteros.
Währenddessen kann im symbolträchtigen Hotel
Nacional AB&C, Meister von Generationen
gesehen werden, eine Ausstellung, die Werke von
Adagio Benítez, Cosme Proenza, Nelson Domínguez,
Flora Fong, Pedro Pablo Oliva, Arturo Montoto,
Ernesto García Peña, Eduardo Roca, Lesbia Vent
Dumois, Manuel López Oliva und weiteren 25 Künstlern
zeigt.
Die Biennale hat sich der Stadt Havanna
bemächtigt. Sie sprengt erneut Schemen und bringt
den Betrachtern aus allen Teilen der Welt die Kunst
dieses Jahrhunderts nah.
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